this post was submitted on 29 Mar 2026
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Ich habe die Instrumente (Gitarre und Klavier), bin seit meiner Kindheit musikalisch begabt und könnte zu 50 % arbeiten und gleichzeitig einen Bachelor-Studiengang absolvieren. Ich habe Musik schon immer geliebt, spiele regelmäßig, arbeite aber zu 100 %, weil ich Geld brauche und für den Ruhestand sparen muss.

Ich bin skeptisch, ob ich meinen Lebensunterhalt als klassischer Gitarrist oder Pianist verdienen kann: KI produziert massenhaft (schlechte) Musik, Piraterie ist weit verbreitet, und wenn ich mich für den Lehrerberuf entscheiden würde, sind die Kinder heutzutage meist faul, und ich müsste bei den Faulen (also den meisten) sowohl Lehrer als auch Elternteil sein.

Gymnasiallehrer möchte ich nicht werden Auf einer Hochschule zu arbeiten wäre nett, aber die Konkurrenz dort muss brutal sein.

Ich weiß, dass ich meinen Job nicht mag und bis zu meiner Rente gerne etwas anderes machen würde, aber ich habe Angst davor, drei Jahre zu verschwenden, weil ich bereits etwas studiert habe, das mir keinen Job eingebracht hat.

Nur zu studieren, weil man etwas wirklich mag, scheint ein aussichtsloses Unterfangen zu sein, aber wenn ich nichts tue, werde ich bis zu meiner Rente unglücklich sein.

top 6 comments
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[–] squirrel@lemmy.blahaj.zone 28 points 2 days ago* (last edited 2 days ago)

Falls Du Musik machen möchtest, um Geld zu verdienen, dann ist die Antwort leider klar: Nein, es lohnt sich nicht.

DIe Künstlersozialkasse (KSK) über die die meisten Künstler'innen und Musiker'innen ihre Sozialversicherung abrechnen, gibt jedes Jahr die harten Zahlen zu den Einnahmen der bei ihr Versicherten heraus. Musiker'innen sind dabei die Berufsgruppe, die im Jahr am wenigsten verdient, und zwar zwischen 14.143 (Frauen) und 19.434 (Männer). Wohl gemerkt: Das sind Durchschnittswerte, dh. Musiker'innen müssen damit rechnen deutlich weniger zu verdienen.

Während AI natürlich zusätzlichen Druck macht, sind diese Werte nicht erst seit kurzem so schlecht. Es ist bereits seit Jahrzehnten der Normalzustand. Sicherlich gibt es außerordentlich gut verdienende Künstler'innen/Musiker'innen, aber diese sind die Ausnahme und man kann nicht damit rechnen zu ihnen zu gehören.

Man muss natürlich noch erwähnen, dass die KSK nur die selbstständigen/freischaffenden Musiker'innen versichert und es noch fest angestellte Musiker'innen gibt, etwa in Orchestern oder in Ensembles. Diese Karrieren bahnen sich aber langfristig an, etwa durch Teilnahme an Jugendorchestern oder Förderprogramme. Die meisten dieser Wege schließen sich irgendwann, wenn man älter wird.

Ich weiß, dass das eine sehr ernüchternde Antwort ist, aber ich wollte hier Deine Frage geradeheraus beantworten und hoffe, dass Du Dir davon und den anderen Antworten ausgehend selber ein Bild wirst machen können.

Wo es Dich auch immer hinführen mag: Viel Erfolg!

[–] megrania@discuss.tchncs.de 9 points 2 days ago* (last edited 2 days ago)

Die meisten (professionellen) Musiker und Künstler, die ich kenne (die nicht Vollzeit im Lehrberuf arbeiten), sind recht breit aufgestellt, was die Tätigkeiten angeht ... ein Lehrauftrag an der Uni, ein paar Stunden an der Musikschule oder mit Privatschülern, verschiedene Produktionen, Organisieren von Events. Als Sub (Vertretung) im Musiktheater oder für grössere Unterhaltungsbands spielen. Kannte auch Leute, die jeden Tag das gleiche Musiktheater gespielt haben, aber solche Jobs sind selten.

Machen machen andere Dinge, die im "Umfeld" der Musik stattfinden, i.e. im Musiksoftware-Bereich (da bin ich letztlich gelandet) oder im Bereich der Instrumenten-Reparatur oder Restaurierung.

Wieder andere spezialisieren sich auf eine bestimmte Nische, die nicht so häufig anzutreffen ist (i.e. historische Aufführungspraxis, alte Musik, historische Instrumente, usw).

Allein durch Auftritte seinen Lebensunterhalt bestreiten, ist nur wenigen beschert, leider. Daher, je breiter man aufgestellt ist, desto besser.

Als Quereinsteiger im fortgeschrittenen Alter, der dazu noch recht häufig anzutreffende Instrumente spielt, wäre meine Einschätzung, das du dir da dein Einkommen "modular" zusammenbauen musst, dir deine Nischen herausarbeiten musst, usw. Inwieweit dir ein Studium dabei hilft, ist schwer einzuschätzen ... wenn du eh' schon auf professionellem Niveau spielst, kann man die Energie vielleicht auch anders einsetzen.

Letztlich muss man sich auch fragen, was man sich vom Berufsbild "Profi-Musiker" erhofft ... will man seine eigenen Ideen umsetzen? Seine eigenen Songs auf Bandcamp verkaufen? In 'ner Hochzeitsband Schlagermukke spielen? An der Oper im Orchestergraben sitzen?

Wenn man sich kreativ ausleben will, wäre man dann glücklich, wenn man mit Schlagermucke oder Unterricht sein Geld verdient?

Ich für meinen Teil hab auch oft mit dem Gedanken (oder der Hoffnung) gespielt, aber über die Jahre auch rausgefunden, das es viele Bereiche gibt, in denen ich kaum glücklich wäre.

Als Profi auf der großen Bühne stehen, heisst heutzutage auch oft, das man an sich eher ein menschlicher Sequencer ist ... Klick auf den Ohren, ein starres Arrangement, und im Hintergrund läuft 'n Laptop, der genau das Gleiche abspielt, damit man, falls die Gitarre mal ausfällt, sofort rüberfaden kann, ohne das das Publikum was merkt. Als eher der Improvisation zugeneigter Musiker find ich die Vorstellung eher grausig ... da hab' ich selbst als Programmierer mehr kreative Freiheit ....

[–] bleistift2@sopuli.xyz 11 points 2 days ago

Ich glaube nicht, dass ein Musik-Studium irgendwie dabei hilft, mit Musik Geld zu verdienen. Eigentlich glaube ich, dass ein Studium bei keinem Handwerk wirklich hilft.

Ich bin skeptisch, ob ich meinen Lebensunterhalt als klassischer Gitarrist oder Pianist verdienen kann

Da bin ich bei dir – allerdings ohne die These irgendwie begründen zu können. Was ich mir aber vorstellen kann, ist ein Beibrot durch die Musik zu verdienen. Du könntest dann die Stunden in deinem Hauptberuf reduzieren, wenn es mit der Musik gut läuft.

wenn ich mich für den Lehrerberuf entscheiden würde, sind die Kinder heutzutage meist faul

Da würde mich interessieren, ob du aus Erfahrung sprichst. Ich besuche selbst eine Musikschule und treffe da im Wartezimmer immer auf die Kinder. Die scheinen sich jedes Mal auf den Unterricht zu freuen.

und ich müsste bei den Faulen (also den meisten) sowohl Lehrer als auch Elternteil sein.

Auch das bezweifle ich. Aus dem Bauchgefühl heraus wage ich die These, dass die Eltern, die es sich leisten, ihrem Kind musikalische Bildung zukommen zu lassen, auch ansonsten in der Erziehung bemüht sind.

Wie wäre es denn als Session-Musiker? Ich habe (durch YouTube) erfahren, dass Leute z.B. auf Plattformen wie Fiverr anbieten, für eine fixe Summe Lieder einzuspielen.

Auch YouTube gibt’s als Möglichkeit. Es gibt zuhauf Cover-Videos. Da Fuß zu fassen, wird sicher nicht leicht. Aber wenn du auch nur moderaten Erfolg hast, wäre das ein einigermaßen passives Einkommen – denke ich.

[–] aaaaaaaaargh@feddit.org 10 points 2 days ago

Erst dachte ich: klar, es ist nie zu spät, etwas zu studieren, das man liebt. Nachdem mir nun aber deine Intention bekannt ist, rate ich davon dringend ab. Erstens, weil ein Studium der Musik sicherlich keine Jobgarantie ist, zweitens, weil du definitiv die falsche Motivation hast.

Nein, lass es bleiben, wenn's dir nur um Geld geht, bilde dich anders weiter.

[–] Majoran@feddit.org 3 points 2 days ago

Ich habe Informatik studiert und nach ein paar Jahren in der Industrie als Softwareentwickler gekündigt und in den mitt-30ern nochmal Philosophie studiert. War die beste Entscheidung meines Lebens.

Wenn deine Motivation also hauptsächlich Geld und Job ist: Nein.

[–] rumschlumpel@feddit.org 4 points 2 days ago* (last edited 2 days ago)

Wenn du jetzt schon ziemlich gut bist in deinen Instrumenten und auch mit Theorie halbwegs vertraut bist, könntest du wahrscheinlich jetzt schon Geld mit Unterricht verdienen. Das was da verlangt wird ist denke ich in der Breite nichts, wofür man ein Studium braucht, zumal ein Studium die pädagogischen Aspekte ohnehin nicht oder kaum beibringt.

Die grundsätzliche Frage wäre halt, wie man als Musiker Geld verdienen kann, insbesondere in der klassischen Musik. Wer engagiert Pianisten oder Gitarristen (bei Orchestern würde ich jetzt auch annehmen, dass die Chancen eher schlecht stehen)? Gibt es einen großen Markt für Session-Musiker in der Klassik? Ich könnte mir vorstellen, dass man am ehesten noch als Komponist etwas verdient, besonders in der Richtung Soundtracks für Film, Werbung, Theater usw.

Müsste man einfach mal recherchieren, du weißt wahrscheinlich auch noch eher, was im Klassik-Markt so läuft als ich, der mit diesem Bereich nur selten in Berührung kommt.