Meine Frau hatte beschlossen, dass wir eine Terrasse in unserem kleinen Garten brauchten, also ging eine Odyssee mit meinen Nerven los. Hier werde ich euch auf eine kleine Reise mitnehmen und alle Abschnitte mit den entstandenen Kosten versuchen darzustellen.
- Der Entschluss
Es begann damit, dass wir umgezogen sind und der neue, kleine Garten hinten raus nur aus Rasen bestand. Wie üblich musste was verändert werden und man (ich) darf zeigen, was man kann (oder auch nicht). Sofort wurde Kleinanzeige durchforstet, um nach günstigen Terrassenplatten zu suchen. Hey, siehe da, da gibt es welche zu verschenken, man muss sie nur abholen. Meine Frau hat natürlich sofort zugesagt und mich danach über ihr Vorhaben informiert (ich war bis dato noch komplett unwissend).
Da die Platten in ein paar Tagen weg sein mussten, hieß es scheiß auf Freizeit, jetzt wird gebuckelt. Also am nächsten Tag dahingefahren, es war zum Glück das nächste Dorf, und festgestellt, dass die Platten noch verlegt waren, man nicht bis ranfahren konnte und einen doch recht steilen Hügel runter musste, um die Platten ins Auto zu bekommen. Zum Glück halfen mein Schwiegervater (er wird später noch mehrfach vorkommen, Probs gehen schon mal raus) und ein alter Kumpel, alleine hätte ich es nicht geschafft. Insgesamt waren es ca. 80 Platten mit einem Gewicht von 28 kg, was eine Gesamtmasse von 2,2 t ausmachte, die wir an diesen Tag bewegt hatten. Diese Platten lagerten wir dann erstmal in unseren Garten.
- Die Erde muss weg
Der nächste Schritt bestand jetzt daraus, am gewünschten Fleck die Erde auszuheben. Da ich keine Ahnung hatte, welchen Container ich brauche und wie wir die Anlieferung gestallten können, bespreche ich so etwas gerne persönlich, also ab zum lokalen Entsorgungsbetrieb. Blöd nur, wenn Firmen gar kein Publikumsverkehr haben möchten. Als ich einen Angestellten, der die privaten Anlieferungen abwickelt, fragte, wohin ich mich für eine Containerbestellung wenden muss, wusste er es auch nicht wirklich und schickte mich zur Verwaltung, die woanders angesiedelt ist, ok, also dahingefahren, um Einlass gebeten und mitgeteilt bekommen, dass man mir hier auch nicht weiterhelfen kann und ich wieder zurück muss. Es gibt am anderen Standort einen Neubau, da wird mir dann geholfen, ok, also wieder zurückgefahren. Den Neubau habe ich gefunden, aber da kommt man ohne Schlüsselkarte nicht herein. Hmmm, blöd, also bin ich ums Gebäude herum und hinten stand eine Tür offen, also rein. Innen bin ich dann in eine Besprechung geplatzt. Huhu, ich brauche Hilfe. Nach verwunderten Blicken, wer ich bin und was ich hier will, erbarmte sich dann einer der Anwesenden und kümmerte sich um mein Anliegen.
Das lief dann auch erstaunlich unkompliziert. Der gute Mann wollte mir zwar einen etwas überdimensionierten Container auf quatschen, aber Mathe kann ich zum Glück noch. Und so stand ein paar Tage später ein 3 m³ Container vor meiner Gartentür und das Ausheben konnte anfangen. Mit Spaten und Schubkarre bewaffnet schaffte ich es dann an zwei Tagen eine Fläche von 4x5 m ca. 10 cm tief abzutragen. Einen Tag später war der Container schon wieder verschwunden.
- Randsteine und Beton sind ganz schön schwer
Der nächste Schritt bestand jetzt die zukünftige Terrasse mit Randsteinen abzustecken. Also los, ab zum kleinen Baumarkt, der zum Glück gleich um die Ecke liegt. Randsteine sind zwar sehr günstig aber auch verdammt schwer. Die Mitarbeiter des Baumarktes konnte ich bequatschen die Randsteine und 6 Säcke Estrichbeton an der Kasse bezahlen zu können und mit meinem Auto auf ihr Lager fahren zu können, um es dort zu beladen. Natürlich war alles zu schwer, um es mit einmal weg zu bekommen. Irgendwann hatte ich alles im Garten, puh.
Jetzt kommt mein Schwiegervater wieder ins Spiel. Als gelernter Maurer übernahm er das Setzen der Randsteine. Mit Nivelliergerät ausgestattet machte er sich daran und vollendete sein Werk innerhalb 2 Stunden mit 3 % Gefälle. Wow, das ging schnell. Ganz ehrlich, ich hätte das niemals so hinbekommen.
- Der Winter kommt
Inzwischen wurde es immer kälter und der Winter hielt Einzug im deutschen Lande. Jedes Mal, wenn ich auf unserem Balkon stand, der in den Garten führt und das Loch und die noch nicht gesetzten Platten sah, fragte ich mich, ob es eine gute Idee war. Der Anblick belastete mich wohl mehr als es sollte. Alles sah so trist und nach noch so viel Arbeit aus.
- Regen und Sand
Als es langsam wieder wärmer wurde (kein Frost mehr) machte Schwiegervater Druck. Es muss vorwärts gehen. Er trug mir auf 1 m³ Sand zu besorgen und 7-8 cm tief auszubringen. Welch ein Glück, das ich einen Baustoffhandel als direkten Nachbar habe, das sollte doch kein Problem darstellen, ich kann von zuhause schließlich direkt auf ihre Lagerfläche schauen. Hach, denkste, aber der Reihe nach. Ich auf die andere Straßenseite. Hallo Herr Verkäufer, ich wohne direkt nebenan, zeigt mit Finger auf andere Straßenseite, und benötige 1 m³ Sand für eine Terrasse. Der Verkäufer so, Hmm, wir verkaufen nur ganze Bigbags, in einen Bigbag passen 0,8 m³ Sand und um eine Lieferung kommen wir auch nicht herum. Ja, okay, dann habe ich halt etwas mehr Sand als nötig, gibt wohl schlimmeres, aber was kostet denn die Lieferung? Nun ja, nur die Lieferung hätte mich 200 € extra gekostet, für Lkw fährt vom Hof direkt auf meinen Parkplatz, na tolle Wurst. Ich habe dann versucht zu verhandeln. Könnte nicht der Gabelstaplerfahrer nicht einfach mal kurz rüberfahren für ne großzügige Spende in die Kaffeekasse? Nee, weil Versicherungsschutz. Können die Bigbags nicht am äußersten Rand vom Firmenparkplatz hingestellt werden und ich hole das dann mit der Schubkarre? Nee, weil Versicherungsschutz. Arghh. Okay, der Verkäufer war auf meiner Seite, nur die Chefs, mit denen er Rücksprache gehalten hatte, wollten nicht mitspielen. Am Ende ist man mir dann doch entgegengekommen. Man hat einige Posten gestrichen und die Lieferung so auf 70 € gedrückt. Egal, woanders hätte ich auch die Lieferung bezahlen müssen und es soll ja vorwärts gehen.
2 Tage später standen nun 2 Bigbags voll Sand vor meinen Parkplatz. Da ich nebenbei im Schichtdienst arbeite, bleiben mir nur die freien Tage, um was zu schaffen und wie es so ist, regnet es im Norden gerne mal. Also stand ich im strömenden Regen draußen, um Sand in den Ein-Achsen-Dreiwege-Kipper zu laden und in der zukünftigen Terrasse auszubringen. Aber auch das ist irgendwann mal geschafft. Das Begradigen habe ich dann meiner Frau überlassen, sie soll ja auch etwas am Projekt beteiligt sein.
- Der Endspurt
Der finale Schritt besteht nun daraus den Sand abzurütteln und die Platten zu verlegen. Also meine Frau zum Baumarkt geschickt, um sich darum zu kümmern. Vielleicht denkt der eine oder andere, dass ich keinen Bock mehr hatte und damit hat er auch Recht. Der Baumarkt um die Ecke verleiht nicht mehr, da ihnen die Geräte schon mehrfach vom Hof geklaut wurden. Also musste sie noch zum anderen Baumarkt am anderen Ende der Stadt, dort konnte sie eine elektrische Rüttelplatte fürs Wochenende reservieren.
Am nächsten Wochenende bin hin hab das Ding abgeholt und nach Hause gebracht. Inzwischen war Schwiegerpapa da. Zusammen haben wir abgerüttelt und den Hobel wieder zurückgebracht. Danach angefangen die ersten Platten zu legen. Irgendwann war dann Mittag und ich musste ‚leider‘ auf Arbeit, also wünschte ich meinen Schwiegerpapa und meiner Frau noch viel Spaß und ging zur Maloche. Eine Stunde später waren sie auch schon fertig und die Terrasse vollständig. Noch etwas Quarzsand habe ich ein paar Tage später zwischen den Platten eingearbeitet und damit war das Projekt Gartenterrasse selber machen abgeschlossen.
- Was hat das alles nun gekostet?
Container mit Entsorgung = 230 €
Randsteine = 30 €
Estrichbeton = 21 €
Sand mit Lieferung = 140 €
Rüttelplatte ausleihen, 4 h = 40 €
Quarzsand = 8 €
Terrassenplatten = kostenlos
Alles zusammen 469 €
Würde ich das nochmal machen? So schnell nicht, aber wenn, dann hoffentlich wieder mit meinen Schwiegervater, er war eine Riesenhilfe, ohne ihm hätte ich das nicht so gut hinbekommen.
Edit: meine gute Grammatik
Super schöne Platten hat da deine Frau gefunden. Und auch super gemacht + beschrieben. Den Sand hätte ich mit Split gemischt, aber das lässt sich dank der schwimmenden Verlegung korrigieren, wenn es so weit ist.