Ich sag jetzt Sachen, die man oft von Leuten hört, die sich nicht besonders mit Politik auskennen. Aber nimm das bitte einfach als meine persönliche Frage. Seit meiner Kindheit interessiere ich mich für Politik, vor allem wegen meiner Familie. Bei uns war es normal, dass man ab und zu politische Sendungen schaut, politisches Radio hört und Bücher zu gesellschaftlichen Themen liest. So bin ich da halt mit reingerutscht und hab das alles zusammen mit meinen Eltern konsumiert. Mir wurde immer gesagt, dass es mein Recht als Mensch ist, mich für Politik zu interessieren.
Jetzt bin ich erwachsen, aber es tut mir ehrlich gesagt weh, Nachrichten zu lesen. Und es liegt nicht daran, dass ich einfach zu sensibel bin oder schlecht mit negativen Dingen umgehen kann.
Ich merke einfach, dass vieles von dem, was mir als Kind vermittelt wurde, in der Realität nicht wirklich funktioniert. Zum Beispiel dieses „Reputationsprinzip“. In Wirklichkeit kannst du in der Politik fast alles sagen oder machen, und es passiert dir nichts du bleibst trotzdem im Spiel. Gefühlt könntest du fast alles bringen. Dazu kommt noch so ein Ding wie das "Recht des Stärkeren", das gerade überall irgendwie präsenter wird. Vielleicht war das schon immer so und mir wurde einfach was anderes erzählt... aber ja, wer Macht hat, kann sich in der Politik oft ziemlich viel erlauben.
Und sorry, ich geh jetzt nicht auf konkrete Beispiele ein davon gibt es einfach zu viele. Im Grunde läuft alles auf eins hinaus: Politik wirkt extrem dreckig und viele Politiker arbeiten am Ende nur für ihren eigenen Vorteil. Das ist genau die Meinung, die sonst jeder Besoffene am Stammtisch raushaut und früher hab ich das nie ernst genommen. Jetzt ertappe ich mich dabei, dass ich genau das gleiche denke wie diese Leute an der Bar.
Warum ist das so geworden? Kann man diesen Pessimismus irgendwie überwinden? Oder wie nennt man das überhaupt?
Das eine ist informiert sein und das andere ist handeln. Handeln ist bei mir etwas, was gegen den Pessimismus hilft. Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu Handeln. Lokal und persönlich, oder auch online/digital. Und, um es übertrieben zu sagen, du musst auch nicht alleine die Welt retten. Auch kleine Schritte und Erfolge helfen, auch im kleinen z.B. im Ort, Gemeinde oder Stadt.
Und aktiv werden muss nicht heißen, parteipolitisch. Politisch oder zivilgesellschaftlich engagieren kann man sich auf verschiedene Art und Weise. Du kannst dich bei einer Partei einbringen, z.B. in Ortsgruppen.
Du kannst aber auch parteilos agieren. Wenn du z.B. sagst Umwelt ist für dich ein Thema: Schau halt mal bei Nabu oder BUND vorbei, ob es da lokale Angebote gibt, sich vor Ort einzubringen.
Es gibt Aktionen, die sich für ein AFD-Verbot einsetzen und z.B. regelmäßig Infostände machen, um Unterschriften für Petitionen zu sammeln.
Oder Spende für Projekte, die dir wichtig sind. Manchmal kann man sich auch einfach nicht selber aufraffen, aber so kannst du andere unterstützen, Dinge umzusetzen, die dir wichtig sind.
Es gibt auch immer wieder Netzwerke, die verschiedene Projekte bündeln. In einer Stadt wahrscheinlich einfacher zu finden als im ländlichen Gebiet. Dort werden oft Aktionen mehrerer Vereine oder Projekte gebündelt und mach macht gegenseitig auf Aktionen aufmerksam: Demos, Mahnwachen, Aktionen, Petitionen oder einfach mal nur ein Frühlingsfest, um zusammen zu kommen. Alles was Gemeinschaft fördert.
Edit: Hab mal vor Ewigkeiten, ein Flowchart gesehen, dass ganz gut beschreibt, wie man aktiv werden kann. Nach etwas Suchen auch gefunden inklusive Artikel/Erklärung. Allerdings Englisch: https://lindsaybraman.com/anger-to-activism-flowchart/