this post was submitted on 16 Mar 2026
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Frag Feddit
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"Geschichte wiederholt sich."
So ein dummer Satz, der von Leuten gedropt wird, die sich für ach so schlau halten.
...aber sie reimt sich.
Einen Scheiß macht die.
Kannst du es etwas mehr ausführen?
Ohne definierte Präzision in einem arbritär großem Datensatz findet man immer "Wiederholungen". Unser Hirn freut sich einfach, wenn es so etwas findet.
Nehmen wir zum Beispiel ein Theater. Jede Woche laufen da Personen raus und rein. GeScHichTE wieDerHolT sicH.
Das funktioniert aber erstens nur so lange, wie man eben nicht die gesamten Daten analysiert. Es gibt nämlich sehr wohl Wochen in denen das in einer anderen Regelmäßigkeit passiert. Das Theater hat zum Beispiel eine Sondervorstellung, Urlaub etc.
Zweitens wiederholt sich das nur so lange, wie wir uns auf eine willkürlich festgelegte Präzision justieren. Gehe ich weiter raus, ist es zumindest nicht das selbe Datum. Gehe ich weiter rein, sind es zum Beispiel nicht die selben Leute.
Wenn ich nach Ähnlichkeiten in willkürlichen Datensätzen ohne Präzision suche, finde ich immer “Wiederholungen" (oder “Reime"). Mit der Logik wiederholt sich zum Beispiel auch Pi.
Wenn wir Ähnlickeiten in der Geschichte feststellen liegt das daran, dass unser Hirn die finden will. Rational betrachtet ist das aber kompletter Schwachsinn und wenn überhaupt Zufall.
Also stört dich die fehlende Präzisierung, wenn jemand sowas sagt, wenn ich es richtig verstehe?
Wenn ich jetzt beispielsweise den Nationalsozialismus heranziehe, würde ich sagen, natürlich wiederholt sich die Geschichte nicht (1:1-Kopie): Wir haben keinen Österreicher mit einem merkwürdig kurzen Bart an der Macht und es werden (zumindest aktuell) keine Menschen im industriellen Maßstab getötet.
Aber es reimt sich: Wieder haben wir es mit einer verängstigten Gesellschaft zu tun, die irrational handelt. Wieder geht es gegen Ausländer/Juden/Kranke/sozial Schwache usw. - Es gibt auffällige Ähnlichkeiten, aber eben keine 1:1-Wiederholungen.
So sehe ich es zumindest.
Edit: Wörter.
Aber das ist ja der Punkt. Wenn du willkürlich festlegst, was "ähnlich" genug ist und arbritär große Datenmengen durchsuchst, reimt sich buchstäblich alles. Natürlich finden wir solche “Patterns“ weil unser Hirn so funktioniert. Nochmal, selbst Pi wiederholt sich mit der Herangehensweise.
Der Mauerfall und der Anschlag vom 11. September reimen sich! Eine unterdrückte Gesellschaft wehrt sich gegen Tyranei. Der Bau der Elbphilharmonie und der Fall des Aztekenreiches reimen sich. Beides wurde durch ein Streben nach mehr komformität einer Zivilisation eingeleutet. Mein Leben wiederholt sich. Ich gehe öfter Eisessen. Pi wiederholt sich, ich hab zweimal die Ziffer 1 gefunden. Alles wiederholt sich, weil ich selbst festlegen kann, wann sich etwas ähnelt und ich willkürlich große Daten betrachten kann.
Das macht deine Aussage nicht falsch. Nur halt unfassbar plump und allgemeingültig. Was ich zusammenfassend mit "dumm" im Eingangspost betitelt habe.
Ok, ich versteh den Punkt den du machen willst und es ist sicherlich technisch korrekt. Aber es als "dumm" zu bezeichnen oder "unfassbar plump" finde ich dennoch arg übertrieben. Wenn man böse wäre, könnte man sicherlich auch Pedantismus entgegensetzen.
Sprache ist wichtig, ja, aber am Ende wird in der Alltags-Kommunikation immer auch ein Gefühl für das Gemeinte vorausgesetzt. Irgendwann wird es halt auch sprachlich unpraktikabel, wenn man sagt: "Geschichte reimt sich in Bezug auf den Monat Dezember, der Geschwindigkeit der Erdrotation und der Scheidungsquote". Ich übertreib mal absichtlich etwas.
Sollte man diesen Satz also lassen, weil er im sprachlichen Gebrauch oft zu unpräzise verwendet wird? Keine Ahnung. Aber dann müsste man konsequenterweise auch an tausende ähnlich gelagerte Sprüche ran und ich halte das praktisch für nicht sehr realistisch...
Aber jeder hat da so seine Triggerpunkte schätze ich. Für mich reicht es jedenfalls, mit "reimen" auszudrücken, dass es eben keine 1:1-Kopie ist.
Ja, finde ich grundsätzlich einen guten Punkt. Was mich triggert ist glaub eher die Attitüde, die Viele an den Tag legen: als wäre das so ein intellektuel herausragender Gedanke.
"Geschichte wiederholt sich" 🍷🧐🎩
Edit: Für mich ist das so, als würde ich mich für geistreich halten, weil ich sage: "Ein Würfel hat sechs Seiten."
Historiker bringen dich für diesen Satz um, weil sie halt wissen, dass es keine Gesetze oder Wiederholungen in der Geschichte gibt. Es mag ähnliche Muster geben, aber am Ende des Tages ist jede Gesellschaft zu jeder Zeit einzigartig
Aber wenn jeder Historiker dich für diesen Satz umbringt, dann...wiederholt sich Geschichte?!
Außerdem "wiederholt" sich alles, wenn man arbritär lange Datensätze mit willkürlicher Präzision durchsucht. Das ist so, wie wenn man in Pi zweimal "149" findet und dann sagt: “Pi wiederholt sich."