this post was submitted on 12 Feb 2026
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DACH - Deutschsprachige Community für Deutschland, Österreich, Schweiz
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Ich bin zur Zeit im Rahmen meines Studiums in der Autismusdiagnostik beschäftigt. Zu den Kommentaren hier würde ich sagen: Es ist ein bisschen von beidem.
Auf der einen Seite erleben wir das hier auch, dass Leute mit der recht klaren Überzeugung kommen, auf dem ASS zu sein oder ADHS zu haben. Manchen wird das von Freund:innen nahegelegt, oft haben sie auch Online-Fragebögen ausgefüllt (was ja naheliegt, wer würde das bei so einem Verdacht nicht machen?). Und klar wird das durch die stark erhöhte Aufmerksamkeit für Neurodivergenz in den sozialen Medien noch verstärkt.
Manchmal wünschen sich übrigens auch Eltern recht deutlich eine entsprechende Diagnose für ihr Kind - da kann die (vielleicht unbewusste) Motivation sein, einen Förderschwerpunkt oder andere Hilfen für das Kind zu bekommen und dadurch entlastet zu werden.
Intern wird hier entsprechend tatsächlich auch manchmal von "Wunschdiagnosen" gesprochen - natürlich aber nicht im Gespräch mit Klient:innen.
Auf der anderen Seite ist aber wichtig zu sagen, dass Psycholog:innen dieses Phänomen anders bewerten als der Stammtisch. Dort wird man bei so einem Artikel sagen: "Diese jungen Leute, die denken sich alle irgendwelche Diagnosen aus". Das ist aber Unsinn, denn die Menschen, die zu uns kommen, haben samt und sonders deutliche Symptome, die meistens mit ADHS- oder ASS-Symptomen zumindest stark überlappen. Da wird sich also nichts ausgedacht und herbeigewünscht, sondern es besteht tatsächlicher Leidensdruck. Es ist dann Aufgabe der Profis, genau daraufzuschauen und zu prüfen, ob ADHS oder ASS wirlich die passgenaueste Diagnose ist. Oft erklärt eine andere Diagnose die Symptome dann doch etwas besser (z. B. soziale Angststörung, zwanghafte oder emotional instabile Persönlichkeitsstörung, Zwangsstörung, Depression...).
Auf jeden Fall wird da also nichts herbei-konfabuliert, die Probleme sind echt, und dass man mit einer Ahnung oder sogar Überzeugung ankommt, was es ist, ist ja erst mal auch legitim. "Wunschdiagnose" heißt dann nicht "Wünschdirwas" sondern meint den Wunsch, endlich Klarheit zu haben. Schwierig wird es, wenn die Diagnose vonseiten der Profis nicht akzeptiert wird - das habe ich persönlich bisher aber noch nicht erlebt.
Das ist eine Einordnung die zumindest in mein Weltbild wunderbar passt. Sowas fehlt meiner Meinung nach in solchen Artikeln oft.